Papst Benedikt (Ratzinger) XVI. in Berlin

Papst Benedikt XVI. zu Besuch in Deutschland

(Foto: Friedhelm Schulz) Nach dem Papst Benedikt XVI. im Deutschen Bundestag Platz nahm setzten sich die Abgeordneten, Journalisten und Gäste.


Wo Gott ist, da ist Zukunft

Von Annette Czerny


Berlin, 22.9./1.10.2011. Mit militärischen Ehren und 21 Salutschüssen wurde der Heilige Vater Papst Benedikt XVI. bei seiner 21. Auslandsreise auf dem Flughafen BerlinTegel willkommen geheißen. Pünktlich um 10.16 Uhr landete die Maschine Alitalia A-320 aus Rom in der deutschen Hauptstadt. Begrüßt wurde das katholische Staatsoberhaupt bei seinem ersten offiziellen Staatsbesuch in Deutschland vom Bundespräsidentenpaar Christian und Bettina Wulff sowie der Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Besonders freute sich der Papst über die Willkommensgrüße von Drittklässlern der Katholischen Schule Bernhard Lichtenberg.

Bereits auf dem Flug von Rom nach Berlin gab Benedikt XVI. im Flugzeug den mitreisenden Journalisten ein Interview und sprach über seine deutsche Heimat: „Ich komme gerne. Ich bin in Deutschland geboren, die Wurzel kann und soll nicht abgeschnitten werden.“

„Herzlich Willkommen in Ihrer Heimat, Heiliger Vater.“ (Wulff)

Vom Flughafen aus fuhr der Papst direkt zum Schloss Bellevue, wo er offiziell von Bundespräsident Wulff und seiner Frau empfangen wurde und sich anschließend in das Gästebuch eintrug. Die Ehrenformation für den Heiligen Vater spielte vor über 1.000 geladenen Gästen die deutsche Nationalhymne. In seiner Begrüßungsrede sagte der Bundespräsident, dass Kirche und Staat in Deutschland zu Recht getrennt seien. „Kirche ist keine Parallelgesellschaft. Sie lebt mitten in dieser Gesellschaft, mitten in dieser Welt und mitten in dieser Zeit.“ Bundespräsident Wulff machte darauf aufmerksam, dass Benedikt XVI. während seines Staatsbesuchs in Erfurt auf Vertreter der evangelischen Kirche treffen und eine wichtige Wirkungsstätte Martin Luthers, das Augustinerkloster, besuchen wird.

Der Papst bedankte sich für den liebenswürdigen Empfang „am Schloss Bellevue, mitten im Zentrum der Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland“.

Am Mittag traf sich Benedikt XVI. zu einer Privataudienz mit Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Katholischen Akademie, dem Sitz der Deutschen Bischofskonferenz in Berlin-Mitte. An diesem Treffen nahm der Ehemann der Kanzlerin, Joachim Sauer, teil. Über die Inhalte des Gesprächs wollte die Kanzlerin wenig sagen. Nur so viel: Der Papst habe sich sehr für Europa und die internationale Finanzkrise interessiert.

Abgeordnete boykottierten Rede im Bundestag

Bereits im Vorfeld dieser Papstreise gab es etliche Kritiker, die sich über die Kosten des Besuchs beklagten. Rund 25 bis 30 Millionen Euro soll dieser Besuch die katholische Kirche schließlich kosten, ein Teil soll durch den Verkauf von Souvenirs finanziert werden. 100 Abgeordnete von SPD, Bündnis 90/Die Grünen und der Partei Die Linke kündigten an, der Rede des Papstes im Bundestag fernzubleiben.

Als der Papst gegen 16.15 Uhr im Reichstag ankam, begrüßte ihn Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU). Seine Heiligkeit trug sich in das Gästebuch des Bundestags ein. Mit dreiminütigem Beifall wurde er von den Parlamentariern im Plenarsaal bedacht, es war das erste Mal, dass ein Papst im Deutschen Bundestag sprach. Über die Abwesenheit einzelner Abgeordnete sagte Benedikt XVI.: „Das ist normal in einer freien Gesellschaft.“

In seiner rund 20-minütigen Rede verwies der Heilige Vater auf den biblischen König Salomon, es komme für Politiker besonders darauf an, ein hörendes Herz zu haben, um das Volk zu regieren und das Gute vom Bösen zu unterscheiden. Politik müsse sich um Gerechtigkeit bemühen und Grundvoraussetzungen für den Frieden schaffen. Mit stehenden Ovationen und Beifall wurde Papst Benedikt XVI. nach seiner Rede von den Mitgliedern des Deutschen Bundestags verabschiedet.

Bevor der Papst am Abend im Berliner Olympiastadion die heilige Messe mit 61.000 Gläubigen feierte, traf sich Benedikt XVI. zu einem nicht öffentlichen Gespräch mit Vertretern der jüdischen Gemeinde im Reichstag.

61.000 Gläubige feierten mit dem Papst die heilige Messe

Um 18.00 Uhr wurde der Heilige Vater in seinem Papamobil ins Berliner Olympiastadion gefahren. Die Gläubigen jubelten ihm zu und schwenkten ihre Fahnen. Auf dem Weg zum Altar segnete Benedikt XVI. Babys mit einem Kuss auf die Stirn, die ihm ins Papamobil gereicht wurden. Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, schenkte dem Papst ein Brandenburger Tor aus Porzellan. Nach dem Eintrag in das Goldene Buch der Stadt Berlin begann die heilige Messe mit einem Grußwort des Erzbischofs Rainer Maria Woelki. „Ein deutscher Papst in der deutschen Hauptstadt: Das ist ein Jahrhundert-, nein ein Jahrtausendereignis, auf das nicht nur die Kirche von Berlin schon lange gewartet hat“, sagte der Erzbischof und erntete dafür jubelnden Beifall. Benedikt XVI. erinnerte in seiner Rede an die Seligsprechung des Berliner Dompropstes Bernhard Lichtenberg vor 90.000 Gläubigen im Olympiastadion, zu dem sein Vorgänger, der seliggesprochene Papst Johannes Paul II., vor 15 Jahren in die Bundeshauptstadt Berlin kam.

„Wir glauben nicht alleine, sondern wir glauben mit der ganzen Kirche. So ist die Kirche das schönste Geschenk Gottes“, verkündete der Papst am Donnerstag, dem 22. September 2011.

Unter dem Motto dieser Papstreise: „Wo Gott ist, da ist Zukunft“, endete nach 90 Minuten die heilige Messe. Während sich das Olympiastadion langsam leerte, machte sich der Papst bereits auf den Weg in die Apostolische Nuntiatur in Berlin-Neukölln, wo er die Nacht verbrachte.

Zur Amtseinführung Benedikts XVI. am 18. April 2005 titelte eine große deutsche Tageszeitung: „Wir sind Papst.“ Nun durfte auch Berlin für einen ganzen Tag Papst sein. (AC, fs, mt)

Kommentar
Den Besuch Benedikts XVI. in der deutschen Hauptstadt werden die Gläubigen mit Sicherheit nicht so schnell vergessen und vielleicht war es auch das letzte Mal, dass ein deutscher Papst seine Heimat besucht.

Die Autorin ist römisch-katholischen Glaubens.
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Auf der Hompage http://papst-in-deutschland.de/sagt Papst Benedikt XVI. nach der viertägigen Deutschlandreise: "Sehr gerne habe ich die Einladung in den Bundestag angenommen. Dies war gewiss ein Augenblick von großer Tragweite auf meiner Reise zum. Zum ersten Mal hat ein Papst vor den Mitgliedern des deutschen Bundestags eine Ansprache gehalten. Bei dieser Gelegenheit habe ich die Grundlage des Rechts und des freien Rechtsstaats erläutert, also den Maßstab allen Rechts, der vom Schöpfer in das Wesen seiner Schöpfung hineingelegt wurde. Daher ist es notwendig, unser Konzept von Natur zu erweitern und sie nicht nur als ein funktionales Ganzes zu verstehen, sondern darüber hinaus als Sprache des Schöpfers, die uns helfen soll, Gut und Böse zu unterscheiden."


Papst Benedikt XVI. (Foto: Friedhelm Schulz/Friedrichson Pressebild)

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