Textversion
Neue Artikel (gemischt)BuergerzeitungDirekte DemokratieEuropaDeutschlandKunst / KulturPresseMedienModulRedaktionArchiv

Deutschland:

Bildergalerie

Finanzen/Wirtschaft

Verbraucher Infos

Integrationspolitik

Bundesrat/Länder

Moabit

Allgemein:

Neue Artikel (gemischt)

Kontakt / Redaktion

Skellettsicht

FAQ

Umfragen

Politik in Bildern

Impressum

Dossier: Gehoert der Islam zu Deutschland?

Gebetsnische (Mihrab)

aus der Beyhekim-Moschee, Fayencenmosaik, Konya/ A natolien 13. Jh. (Inv.-Nr. I. 7193) Museum fuer Islamische Kunst/Staatliche Museen zu Berlin, Fotograf: Georg Niedermeiser

Vorstellung des Dossiers Islam • Kultur • Politik am 11.01.2011 in Berlin

Eine reine Problemdebatte war gestern. Zukunftsfähig und bereichernd ist die facettenreiche Kultur des Islams. Anregung zu Gesprächen ist und muss das Ziel des Jahres 2011 sein. Die verallgemeinernden Diskussionen über den Islam und die Muslime des letzten Jahres waren viel zu häufig geprägt von Unwissen über das vermeintlich Fremde in unserer Nachbarschaft.

Mit dem 40 Zeitungsseiten starken Dossier Islam • Kultur • Politik wird der Vielfalt und der Strahlkraft des Islams in Deutschland umfassend Rechnung getragen. Namhafte Autoren und Islamexperten aus Wissenschaft, Kultur und Politik wie Regina Ammicht Quinn, Professorin für Theologische Ethik am Interfakultären Zentrum für Ethik in den Wissenschaften der Universität Tübingen, der SWR-Journalist Reinhard Baumgarten, der die Konzeption der ARD-Dokumentationsreihe „Gesichter des Islam“ entwickelte, Rauf Ceylan, Professor für Religionswissenschaft an der Universität Osnabrück, Heinz Fromm, Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Stefan Weber, Direktor des Museums für Islamische Kunst, Staatliche Museen zu Berlin, Kübra Yücel, Bloggerin und Journalistin und viele mehr haben zu der Besonderheit des Dossiers und seiner großen inhaltlichen Vielfalt beigetragen.

Außerdem kommen Verbandsvertreter und Politiker wie Aiman A. Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland oder Annette Schavan, Bundesministerin für Bildung und Forschung zu Wort.

____________________________________
Zum Inhalt schrieb Olaf Zimmermann im Editorial:

Zweifelslos.
(...) Steinig war der Weg, weil im wahrsten Sinne des
Wortes viele spitze Steine und tiefe Fahrrinnen
beim Thema Islam vorhanden sind. Wir wollen
in diesem Dossier die üblichen Fahrrinnen,
die sich gerade in den letzten Monaten in den
Medien und der Politik durch die „Sarrazin-
Hysterie“ noch tiefer eingegraben haben, so oft
wie möglich verlassen und ein möglichst weites
und differenziertes Bild über den Islam, seine
Kultur und Politik anbieten. Spitz sind die Steine,
weil besonders die Strukturen von Moscheen,
islamischen Vereinen und Verbänden manchmal
schwer einzuschätzen sind.

Die islamische Zivilgesellschaft ist eine unbekannte
Welt mitten unter uns. Aber es gibt
viele Ansätze der Öffnung dieser Welt und des
Interesses an dieser Welt. Der Tag der offenen
Moscheen, der seit 2007 jährlich vom Koordinationsrat
der Muslime in Deutschland durchgeführt
wird, ist eine solche Möglichkeit, die
von erfreulich vielen Bürgerinnen und Bürgern,
die mehr wissen wollen, genutzt wird. Eine der
wichtigsten Voraussetzungen für Integration, die
nicht als bloße Anpassung der Minderheiten- an
die Mehrheitsgesellschaft missverstanden wird,
ist Unbekanntes bekannt zu machen.
Natürlich spielt Integration für den Deutschen
Kulturrat schon seit Jahren eine große Rolle.
Wir haben vor rund einem Jahr einen Runden
Tisch zusammen mit Migrantenorganisationen
eingerichtet und debattieren intensiv Fragen der
kulturellen Bildung. Wir geben dem Thema Integration
in unserer Zeitung politik und kultur durch
eine eigene regelmäßige Beilage ein deutliches
Gewicht und haben vor einigen Wochen in einem
Workshop die provozierende Frage gestellt „Ist
der Deutsche Kulturrat zu Deutsch?“. Aber wir
haben bislang bei dem Thema Integration versucht,
religiöse Fragen weiträumig zu umschiffen.
Obwohl Religion als Teil der Kultur natürlich bei
allen Debatten der letzten Jahre mitschwingt,
ist die deutliche Benennung des Islams als kulturpolitische
Größe in Deutschland eine neue
Qualität. Schon bei dem Thema „Die Kirchen,
die unbekannte kulturpolitische Macht“ wurde
deutlich, dass es nicht ausreicht festzustellen,
dass die beiden christlichen Kirchen wegen ihrer
finanziellen Aufwendungen zu den zentralen
kulturpolitischen Akteuren in Deutschland gehören.
Es musste auch benannt werden, wie und
in welchem Umfang die Wirkungen der beiden
großen christlichen Kirchen auf das kulturelle
Leben in Deutschland zu spüren sind.

„Und jetzt kommt auch noch der Islam“, werden
einige sagen. „Der Islam gehört zu Deutschland“,
hatte Bundespräsident Christian Wulff am
3. Oktober 2010 in seiner Rede zum 20. Jahrestag
der Deutschen Einheit gesagt und damit
nicht nur in seiner Partei, der CDU, eine Welle
der Empörung ausgelöst. Der Ruf nach einer
Leitkultur, die auf dem christlich-jüdischen Erbe
beruhen soll, wird wieder lauter. Und haben
die Kritiker des Bundespräsidenten nicht recht:
Deutlich unter 3.000 Moscheen dürfte es in
Deutschland geben von denen sich die meisten
versteckt in Hinterhöfen befinden. Nur wenige
Minarette ragen bislang in den deutschen Himmel
und nur an wenigen Orten in Deutschland
ruft der Muezzin die Gläubigen hörbar zum
Gebet. Die über vier Millionen Muslime, die in
Deutschland leben gehören zu Deutschland,
aber auch der Islam?

Dieses Dossier will diese Frage diskutieren. Ich für
meine Person kann nur sagen: Zweifellos gehört
der Islam zu Deutschland, aber lesen Sie selbst....

Der Verfasser » Olaf Zimmermann ist Herausgeber von
politik und kultur und Geschaeftsfuehrer des
Deutschen Kulturrates

__________________________________

Die Bilder des Dossiers „Islam · Kultur · Politik“
basieren zum Teil auf der Ausstellung
„TASWIR – Islamische Bildwelten und Moderne“,
die vom 5. November 2009 bis zum 18.
Januar 2010 im Martin-Gropius-Bau in Berlin
gezeigt wurde. Ziel der Ausstellung war es,
den Betrachtern eine aktuelle Sicht auf Ausdrucksformen
islamisch geprägter Bildwelten
zu vermitteln. Klassische Exponate islamischer
Kunst wurden in einen Zusammenhang zu
modernen und zeitgenössischen Positionen in
Graphik, Zeichnung und Malerei, Fotografie,
Video-Kunst, Installation, Klang und Skulptur
gestellt. Konstruierte Grenzziehungen zwischen
„Orient“ und Okzident“ galt es als Besucher zu
überdenken und einen umfassenden Einblick
in den Facettenreichtum islamischer Kunst aus
Vergangenheit und Gegenwart zu erhalten.

Zum PDF-Dokument: http://» www.kulturrat.de/dossiers/islam-dossier.pdf

____________________________

Web: http://www.» kulturrat.de

» Aeltere Artikel Ressort Integrationspolitik lesen